Aus der Sitzung des Gemeinderats vom 27.07.2026

In seiner öffentlichen Sitzung hat der Gemeinderat am 27. Juli 2026 im Sitzungssaal des Rathauses in Schanbach über folgende Tagesordnungspunkte beraten:
1. Verpflichtung von Gemeinderätin Natalie Hazzouri
Durch das Ausscheiden von Michael Neumann aus der SPD-Fraktion ist Frau Natalie Hazzouri in den Gemeinderat nachgerückt. BM Andreas Jarolim verpflichtete zu Beginn der Sitzung die neue Gemeinderätin, die ihr Gelöbnis nach §32 der Gemeindeordnung ablegte.
2. Siegerehrung Stadtradeln
Auch 2026 war die Aktion „Stadtradeln“ in Aichwald wieder ein voller Erfolg: Nach dem Motto „Ab auf‘s Rad und fleißig in die Pedale treten, denn jeder Kilometer zählt“ legten 149 aktive Radler in der Zeit vom 6. bis 26. Juni insgesamt 39.991 Kilometer (2025: 38.385 km) zurück – was nahezu einer Erdumrundung sowie einer CO2-Vermeidung von ca. sieben Tonnen entspricht.
In der Gemeinderatssitzung zeichnete Bürgermeister Andreas Jarolim die drei besten Radelnden und das beste Team (mind. 10 aktive Radler mit den meisten Kilometern pro Teammitglied) aus.
Der erste Preis ging erneut an Ralph Richter mit 3.047,6 km; Platz 2 belegte Alexander Müller mit 1.783,7 km, gefolgt von Jörg Müller, der mit 1.504,1 km den dritten Rang belegte.
Als radelaktivstes Team konnten sich erneut die „Kirchenradler“ mit insgesamt 8.079,3 geradelten Kilometern (pro Kopf: 336,6 km) um ihren Team-Captain Walter Knapp durchsetzen.
Jochen Wieland von den Freien Wählern wurde, wie schon in den Jahren zuvor, mit einer Leistung von 589,5 Kilometern als radelaktivster Gemeinderat ausgezeichnet.
„Das diesjährige Ergebnis kann sich sehen lassen und gibt den Anreiz, auch 2027 wieder an der Aktion teilzunehmen“, betonte BM Jarolim bei der Preisverleihung.
3. Bürgerfragen
Es wurden keine Bürgerfragen gestellt.
4. BekanntgabenEs wurden keine Bekanntgaben gemacht.
5. Zustimmung zum Protokoll der Sitzung vom 22.06.2026
Dem Protokoll wurde einstimmig zugestimmt.
6. Nachbesetzung Verwaltungsausschuss
Aufgrund des Ausscheidens von Michael Neumann aus dem Gemeinderat wurde ein Sitz im Verwaltungsausschuss frei. Die SPD-Fraktion hatte vorgeschlagen, diesen mit der nachgerückten Gemeinderätin Natalie Hazzouri zu besetzen.
Beschluss (einstimmig): Der Gemeinderat stimmt der Nachbesetzung des Verwaltungsausschusses mit Frau Natalie Hazzouri zu.
7. Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung
Der Gemeinderat befasste sich in seiner Sitzung ausführlich mit den Ergebnissen der Bürgerbeteiligung zur Haushaltskonsolidierung. Bürgermeister Andreas Jarolim erinnerte zunächst an den bisherigen Prozess: Bereits im Dezember 2025 hatten alle Fraktionen im Rahmen der Haushaltseinbringung angesichts eines Haushaltsdefizits von rund 3,4 Millionen Euro einstimmig den Grundsatzbeschluss zur Haushaltskonsolidierung gefasst. Ziel sei es gewesen, die notwendigen Einsparungen und Mehreinnahmen möglichst fair zu verteilen und dabei sowohl die Einnahmen- als auch die Ausgabenseite in den Blick zu nehmen. In einer gemeinsamen Klausurtagung hatten Gemeinderat und Verwaltung anschließend einen Katalog mit 19 Maßnahmen erarbeitet, der am 15. Juni im Rahmen einer Einwohnerversammlung in der Schurwaldhalle vorgestellt wurde. Ergänzend bestand für die Aichwalderinnen und Aichwalder die Möglichkeit, schriftliche Stellungnahmen einzureichen. Insgesamt gingen 38 Rückmeldungen aus der Bürgerschaft ein. Zudem fanden in der Zwischenzeit mit den betroffenen Vereinen und Einrichtungen „transparente und konstruktive Gespräche statt“, wie BM Jarolim betonte. Im Mittelpunkt der Rückmeldungen aus der Bürgerschaft standen insbesondere die geplanten Einsparungen im Kinder- und Jugendbereich. Viele Bürgerinnen und Bürger sprachen sich dafür aus, diese möglichst gering zu halten und stattdessen eine etwas stärkere Anhebung der Grundsteuer in Kauf zu nehmen. Laut BM Jarolim hat die Verwaltung diese Anregung aufgegriffen und deshalb vorgeschlagen, die Hebesätze der Grundsteuer gegenüber der bisherigen Planung nochmals moderat anzuheben. Die dadurch erzielten Mehreinnahmen von rund 40.000 Euro könnten dazu genutzt werden, die vorgesehene Kürzung der kommunalen Jugendförderung für Vereine zurückzunehmen. Zudem sollen die geplanten Nutzungsgebühren für die Jugendmusikschule sowie für die Sporthallen schrittweise und auf Pauschalbasis eingeführt werden, um den betroffenen Einrichtungen und Vereinen ausreichend Zeit zur Anpassung zu geben. Auch die Zukunft der offenen Jugendarbeit war Gegenstand zahlreicher Stellungnahmen. Die Verwaltung würdigte dabei auch die Vorschläge des Kreisjugendrings und empfahl, die geplante Reduzierung des Personalumfangs weniger stark vorzunehmen als ursprünglich vorgesehen. Gleichzeitig sollen Einsparpotenziale durch organisatorische Veränderungen und eine stärkere Nutzung des Jugendhauses ausgeschöpft werden. Insgesamt hatte die Verwaltung Anpassungen bei vier der 19 Maßnahmen vorgeschlagen, die alle die Zustimmung des Gremiums erhielten. Insgesamt verabschiedete der Gemeinderat folgendes Konsolidierungspaket mit einem Volumen von rund 550.000 Euro:
- Reduzierung der Aufwandsentschädigungen und weiterer Ausgaben des Gemeinderats (7.700 Euro).
- Prüfung freiwerdender Stellen vor einer Nachbesetzung (50.000 Euro).
- Künftige Berichterstattung über Gemeinderatssitzungen durch internes Personal (4.000 Euro).
- Überprüfung und Anpassung der Mieten gemeindlicher Liegenschaften (3.500 Euro).
- Überprüfung der Pachtpreise für gemeindliche Grundstücke (noch offen).
- Prüfung einer Vermietung bisher unentgeltlich genutzter Lagerflächen für Vereine (noch offen).
- Reduzierung des Zuschusses zur Kameradschaftskasse der Feuerwehr um 20 Prozent (1.750 Euro).
- Erstellung eines Raumkonzepts zur besseren Auslastung gemeindlicher Gebäude und Prüfung zusätzlicher Mieteinnahmen (noch offen).
- Die ursprünglich vorgesehene Kürzung der Jugendförderung wurde nach den Rückmeldungen aus der Bürgerschaft zurückgenommen; die Förderung bleibt unverändert bei 20 Euro je jugendlichem Vereinsmitglied.
- Die offene Jugendarbeit wird organisatorisch neu aufgestellt. Der Stellenumfang wird von bisher 1,4 auf künftig 1,0 Stellen reduziert. Gleichzeitig sollen Sachkosten eingespart und die Nutzung des Jugendhauses durch Dritte ausgeweitet werden (Einsparpotenzial rund 31.400 Euro).
- Bei der Aichwald Card entfällt künftig die Leistung für Familien mit mindestens vier Kindern; einkommensabhängige Leistungen bleiben erhalten (5.000 Euro).
- Für die Jugendmusikschule wird eine pauschale Raumnutzungsgebühr eingeführt. Diese wird entsprechend dem Verwaltungsvorschlag stufenweise umgesetzt und auf drei Jahre gestaffelt (2027: 10.000 Euro, 2028: 20.000 Euro, ab 2029: 40.000 Euro).
- Für die Nutzung der Sporthallen wird eine pauschale (Brutto-) Nutzungsgebühr erhoben, ebenfalls mit einer stufenweisen Einführung (2027: 12.500 Euro, ab 2028: 25.000 Euro).
- Die Nutzungsgebühren der Kulturhalle werden erhöht; zusätzliche Leistungen bei Freiveranstaltungen werden künftig berechnet (3.000 Euro).
- Die Mitgliedschaft in der Remstal Tourismus e. V. wird gekündigt (10.400 Euro).
- Beim Bürgerbus wird der Fahrpreis um 50 Prozent auf 1,50 Euro erhöht und die Organisationspauschale reduziert (1.700 Euro).
- Die Grundsteuerhebesätze werden – entsprechend dem Ergebnis der Bürgerbeteiligung – um 25 Prozentpunkte erhöht (Grundsteuer A: 320v.H.; Grundsteuer B: 155 v.H.). Dadurch werden jährliche Mehreinnahmen von 193.250 Euro erwartet.
- Der Gewerbesteuerhebesatz wird um 20 Punkte auf 350 v.H. angehoben (110.000 Euro).
- Die Hundesteuer wird um rund 25 Prozent erhöht (12.000 Euro).
In der anschließenden Aussprache betonten Vertreter aller Fraktionen, dass die Haushaltskonsolidierung in einem transparenten Verfahren und im engen Austausch mit der Verwaltung, den betroffenen Vereinen, Einrichtungen und der Bürgerschaft stattgefunden habe. Die beschlossenen Maßnahmen seien dabei niemandem leichtgefallen. Angesichts der strukturell schwierigen Finanzlage seien sie jedoch notwendig, um die Handlungsfähigkeit der Gemeinde künftig zu sichern. Auch BM Jarolim dankte allen Beteiligten für die konstruktive Arbeit: „Ich denke, wir haben insgesamt gute Lösungen bei der Haushaltskonsolidierung gefunden, auch wenn diese im Einzelfall wehtun.“ Wichtig sei jedoch, dass die Arbeit der Vereine und Ehrenamtlichen in Aichwald trotz der getroffenen Maßnahmen gesichert weitergehen könne. Zudem verabschiedete der Gemeinderat einstimmig eine interfraktionelle Resolution von CDU, Freien Wählern, SPD und Grünen. Darin appelliert das Gremium an Bund und Land, die Kommunen finanziell besser auszustatten und das Konnexitätsprinzip („Wer bestellt, bezahlt“) konsequenter umzusetzen. Zugleich wird eine Reduzierung überzogener gesetzlicher Standards gefordert, um die kommunalen Haushalte dauerhaft zu entlasten.
Beschluss (einstimmig): Der Gemeinderat
- beschließt die Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung unter Berücksichtigung des Beratungsergebnisses
- Jugendmusikschule:
Die Einführung der Raumgebühren wird gem. Alternative 1 zeitlich über drei Jahre gestaffelt. - Gesamtpaket
Die Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung werden wie dargestellt beschlossen (JMS: Alternative 1, Nutzungsgebühren Sporthalle: Alternative 2)
- Jugendmusikschule:
- beschließt die Resolution gem. des eingereichten interfraktionellen Antrags.
- beauftragt die Gemeindeverwaltung mit der Umsetzung der Maßnahmen bzw. der Vorbereitung notwendiger Einzelbeschlüsse.
8. Entschädigung Stv. Kommandant - Änderung Feuerwehr-Entschädigungssatzung
In der bisherigen Entschädigungssatzung war der stellvertretende Kommandant nicht als eigenständiges Amt vorgesehen. Nachdem dieses aber durch die Änderung der Feuerwehrsatzung eingerichtet wurde, muss es auch in der Entschädigungssatzung berücksichtigt werden, weshalb dort der entsprechende Paragraph zu ändern ist.
Beschluss (einstimmig): Der Gemeinderat beschließt die als Anlage beigefügte Satzung zur Änderung der Feuerwehr-Entschädigungssatzung.
9. Nachfolgenutzung Bestandsgrundstück Kindergarten Aichschieß
Bereits in der März-Sitzung des Gemeinderats war über eine mögliche Nachfolgenutzung des derzeitigen Kindergartengrundstückes in Aichschieß beraten worden. Dabei war die Verwaltung zusammen mit einem Planungsbüro beauftragt worden, Alternativen für eine Einzelhaus- und Reihenhausbebauung aufzuzeigen – mit dem Ziel, dass ein aufzustellender Bebauungsplan möglichst beide Alternativen ermöglichen soll. Wie die nun vorliegenden Varianten zeigen, kann das Grundstück entweder mit vier größeren Einzelhäusern (EFH oder Wohnungsbau – 2 Wohnungen je Gebäude) oder sechs Reihenhäusern (Variante2) bebaut werden. Bei Realisierung der Variante 1 könnten die Plätze von der Gemeinde direkt ausgeschrieben und an Private vergeben werden (Verfahren ähnlich wie im Baugebiet Fuchsbühl), bei Variante 2 wäre aus Sicht der Verwaltung der Verkauf an einen Bauträger der richtige Weg, da die Reihenhausbebauung in einem Zug erstellt werden sollte. Laut BM Jarolim spricht sich die Verwaltung für Variante 1 mit vier größeren Einzelhäusern aus, da sich diese besser in die städtebauliche Struktur einfügen und auch die Möglichkeit zu mehr Wohneinheiten (max. 8 Wohneinheiten bei 4 Einzelhäusern) beinhalten – was auch Optionen für ein generationenübergreifendes Wohnen bzw. Wohnlösungen bei etwaigem Pflegebedarf erlaubt.Zudem könnte der Bau einer kostenintensiven Tiefgarage wie bei Variante 2 vermieden werden. Vertreter aller Fraktionen sprachen sich dafür aus, den Bebauungsplan so offen wie möglich aufzustellen, um beide Varianten umsetzen zu können.
Beschluss (einstimmig):
- Der Gemeinderat nimmt von den möglichen Bebauungsalternativen (Variante 1 und 2 – Anlage 1) zur Nachfolgenutzung des Bestandsgrundstückes Kindergarten Aichschieß Kenntnis.
- Es soll ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden, welches optional die Umsetzung beider Varianten ermöglicht.
10. Verschiedenes
- Bürgermeister Jarolim informierte das Gremium darüber, dass sich die Fertigstellung von Schule und Kita in Aichschieß um ein bis zwei Monate verzögern wird und der Einzug deshalb nicht wie geplant direkt zum neuen Schuljahr 2026/27 stattfinden kann. Die Verwaltung habe bereits Gespräche mit der Evangelischen Kirchengemeinde geführt, die einer entsprechend längeren Nutzung des Gemeindehauses in Aichschieß als Übergangsquartier zugestimmt hat.
- CDU-Gemeinderätin Marieta Munk wollte wissen, wie der aktuelle Sachstand beim ehemaligen Container-Stellplatz in Krummhardt sei, der als Bauplatz ausgewiesen werden soll. Kämmerer Andreas Jauß sagte, dass die entsprechenden Planungen begonnen hätten, eine konkrete Umsetzung aber erst Ende des Jahres erfolgen könne.
- Auf die Frage von SPD-Gemeinderat Thomas Unterricker, wie es um die Parkverbots-Ausweisung in der Schurwaldstraße in Aichelberg bestellt sei, gab BM Jarolim Auskunft: Noch im Laufe der Woche werde der Bauhof eine provisorische Beschilderung vornehmen, da das Landratsamt als zuständige Untere Straßenverkehrsbehörde trotz mehrfachem Nachfragen der Verwaltung hier noch nicht tätig wurde.
- Manuel Oetinger von der Fraktion Freie Wähler fragte nach, was die Entnahme der Proben bei Schule und Kindergarten in Aichelberg ergeben habe. BM Jarolim sagte, dass die Auswertung noch laufe, die Verwaltung den Gemeinderat aber baldmöglichst über den Zustand des Gebäudes informieren werde. Konkretere Planungen für den Neubau in Aichelberg könne es allerdings erst nach der Sommerpause unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklung der Kinderzahlen und Abschluss des Neubaus von Kita und Schule in Aichschieß geben.





