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Remstal-Route im Wandel: Von der Weinstraßen-Idee zur etablierten Tourismus-Zentrale


Die hellgrauen Schreibtische sind schlicht, das technische Equipment ist dezent, eine breite Besuchertheke steht im Eingangsbereich einer mit Parkettboden geschmackvoll ausgebauten Wartehalle. Kleine Viertelesfläschle mit rotem Etikett stehen auf Glasregalen in den zugemauerten Türbögen der Sandsteinwand, darunter Bücher wie „Schwäbisch essen ohne Reue“ oder „Weinmacher in Württemberg – eine Weinregion im Aufbruch“. Die gegenüberliegende Wand lockt lachsrot gestrichen mit dunklen, edel anmutenden Weinflaschen in grauen Regalen. Direkt davor sitzt eine schlanke Frau mit dunkelbraunen, schulterlangen Haaren an einem Schreibtisch und telefoniert. Im ehemaligen Bahnhof von Endersbach befindet sich der Arbeitsplatz von Heike Marx. Von hier aus führt sie die Geschäfte des Verkehrvereins Remstal-Route e.V.
Heike Marx, die aus der Eifel stammt und  in Schorndorf lebt, hat in den letzten drei Jahren Ihrer Tätigkeit bereits eine wichtige Erkenntnis gewonnen. „Die Remstäler sind schon ein eigenes Völkchen“, sagt die 34-jährige diplomierte Geografin augenzwinkernd und erzählt, wie es dazu kam, dass aus einer Weinstraßen-Idee auch ein Verkehrsverein mit dem Namen Remstal-Route e.V. wurde. Jürgen Hofer, der damalige Oberbürgermeister von Weinstadt, hatte sich zu Beginn der 90er Jahre um die Aufnahme in die Schwäbische Weinstraße des Württembergischen Weinbauverbandes bemüht, jedoch ohne Erfolg: Das Remstal blieb außen vor. „Dann machen wir unsere eigene Weinstraße“, soll Hofer gesagt haben. Und so geschah es: 1993 wurde eine erste Route  festgelegt. Zunächst waren es neun Gemeinden, die zur 70 Kilometer langen Strecke entlang der Rems gehörten. Gastronomen und Wengerter aus den beteiligten Kommunen schlossen sich an, einzelne private und gewerbliche Fördermitglieder kamen dazu. Der geografischen Route folgten schon bald gemeinsame Aktionen: Das einheitliche Gericht mit dem Namen „Remstal-Teller“ und der gemeinsam ausgebaute Wein „Knitz“ - dessen Patenschaft der beliebte schwäbische Schauspieler Walter Schultheiß übernahm - waren die ersten und sehr beliebten Ideen.
Zehn Jahre später, im März 2003, bezog die Geschäftsstelle des Vereins Remstal-Route die umgebaute ehemalige Schalterhalle des denkmalgeschützten Bahnhofs von Endersbach. Seitdem sind die Besucherzahlen und die Nachfragen nach Informationsmaterial enorm gestiegen. Was Geschäftsführerin Heike Marx, ihre Assistentin Anika Schlichenmaier mit einer halben Stelle und Dorothee Wolz, die sich als geringfügig Beschäftigte an zwei Vormittagen in der Woche um die Buchhaltung kümmert, seither auf den Weg gebracht haben, kann sich sehen lassen. Der Gründungsgedanke der ursprünglichen Weinstraßen-Idee ist zugunsten neuer Aufgabenfelder gewichen: Einerseits wird eine professionell arbeitende Tourist-Information für das gesamte Remstal geführt, zum anderen tritt der Verein als Veranstalter für vielfältige Messen und Aktionen auf und betreibt eine umfangreiche Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit. „Wir bilden sozusagen die touristische Dachorganisation im Remstal. Die Region ist nicht nur ein wirtschaftlich starker Standort, auch touristisch gibt es noch so viel zu entdecken", weiß Marx inzwischen aus eigener Anschauung. Die Württemberger Weinstraße verläuft seit letztem Jahr genau auf der in den Vereinsanfängen ausgeschilderten Remstal-Route und hat die Weinstraßen-Idee in eine über 500 Kilometer lange Touristik-Straße integriert und aufgewertet. Eine malerische Landschaft zwischen Wald und Weinbergen, Geschichte, Kunst, Kultur und eine exzellente Küche mit Weinen der Spitzenklasse – und das alles in unmittelbarer Nähe zur umtriebigen Landeshauptstadt. Es sind vor allem Besucher aus dem Großraum Stuttgart, die in die Tourist-Information kommen. „Wir haben drei Millionen Menschen vor der Haustür, die Wochenend- und Naherholung suchen“, ist Marx überzeugt, „da drin steckt ein unglaubliches Potential.“ Das haben viele der Kommunen und Betriebe im Remstal inzwischen auch erkannt. Sie profitieren von der professionellen Arbeit der Tourismus- und Marketingexpertin, die  nach akribischer Vorarbeit einen „Freizeitführer Remstal“ herausgegeben, eine moderne Internetpräsenz mit Online-Buchungstool und GPS-Routenplaner installiert und das Remstal-Radroutennetz neu ausgeschildert  hat, um nur einige der erfolgreichen Projekte zu nennen. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des Verkehrsvereins ist die Kooperation mit den Mitgliedern. Heute zählt der Verein Remstal-Route e.V. rund 160 Mitglieder. Neben mittlerweile dreizehn Städten und Gemeinden sind es überwiegend Betriebe der regionalen Gastronomie, des Weinbaus und der Hotellerie, Vermieter von Privatunterkünften und Firmen. Sie alle zeigen, dass das „schaffige Tal auch ein Kompetenzzentrum der Gastlichkeit ist“, wie es Oberbürgermeister Jürgen Oswald bei der Einweihung der  neuen Geschäftsstelle des Vereins im ehemaligen Bahnhofsgebäude formulierte. Mit gemeinsamen Aktionen gewinnt die Region so auch überregionale Bedeutung. Besonders stolz ist Marx darauf, bei der Stuttgarter Touristikmesse CMT  ab diesem Jahr alle Remstalkommunen unter einem Dach, genauer: am Stand der Remstal-Route e.V. vereint zu haben, um das Remstal noch bekannter zu machen
Blühende Obstbäume im Frühling, reife Weintrauben im Herbst, malerische Flußauen, beschauliche Dörfer mit alten Fachwerkhäusern und lebhafte Städte mit unzähligen Einkehrmöglichkeiten - wer bekommt da nicht Lust, sich in den Fahrradsattel zu schwingen und so das Remstal zu erkunden? Auch Heike Marx hielt es nicht mehr am Schreibtisch. “Ein solches Projekt kann man nicht vom `grünen Tisch´ aus planen", erklärt Marx, die mit ihrem Mountainbike erst einmal alle möglichen Streckenführungen selbst geradelt ist. Im April dieses Jahr war es dann soweit, das Ergebnis der zweijährigen Zusammenarbeit mit Experten eines Planungsbüros konnte der Öffentlichkeit präsentiert werden: Ein 130 Kilometer langes, neu und einheitlich beschildertes Streckennetz entlang der Rems und in die Seitentäler. Es führt von Remseck über Waiblingen, Weinstadt, Remshalden, Winterbach, Schorndorf, Plüderhausen und Lorch nach Schwäbisch Gmünd. Die Strecke ist nahezu steigungsfrei und damit familienfreundlich. Darüber hinaus ist sie verbunden mit dem überregionalen Neckar- und Schwäbische-Alb-Radweg. Sportlich anspruchsvollere Touren führen über den Hanweiler Sattel nach Winnenden, über Strümpfelbach nach Aichschieß auf den Schurwald sowie über Kernen-Stetten nach Fellbach. Ein großer Vorteil, so betont Marx, liege darin, dass die Strecken größtenteils in der Nähe der Bahnstrecke entlangführen. "Sollte Ihnen zwischendurch die Puste ausgehen, steigen Sie einfach auf die parallel zur Remstal-Radroute verlaufende Bahn um, die Sie bequem zum Ausgangspunkt zurückbringt", schreibt Marx im Vorwort zur Radwanderkarte.
Wer will und einen Internet-Anschluss hat, kann sich die geplante Radtour gleich dreidimensional vorab von oben betrachten. Über das Satelliten gestützte Global Positioning System (kurz: GPS) auf der Homepage der Remstal-Route können insgesamt vierzehn Rad-, Wander- und Mountainbiketouren bequem von zuhause aus geplant und ausgedruckt oder als digitales Navigationssystem auf einen Taschencomputer herunter geladen werden.
Wer es lieber sinnlich mag, besorgt sich die kostenlose Faltkarte „Sattelfest durchs Remstal“ mit übersichtlichen Radstreckenbeschreibungen und praktischen Veranstaltungstipps. A propos: Zwei Mal im Jahr erscheint der Veranstaltungskalender „Das Remstal lädt ein“ mit jeweils mehr als 300 Veranstaltungen wie kulinarischen Weinproben, gemütlichen Weinfesten und Hocketsen oder auch Theater, Kabarett, Musik. „Er wird auch als der ‚Feschtlesführer im Remstal’ bezeichnet “, sagt Marx nicht ohne Stolz, „die Leute warten schon darauf.“
Im August 2005 wurde der „Freizeitführer Remstal" – Karte mit Begleitbroschüre zu rund 200 Ausflugszielen –im Remstal herausgegeben.  Im Durchschnitt rund 50 Anfragen täglich werden von der Assistentin Anika Schlichenmaier bearbeitet: Ausflugs- und Wanderprogramme für Einzel- und Gruppenreisende, Veranstaltungstipps und allgemeine Informationen über die Region, das sind die gängigen Anfragen per Telefon oder E-Mail. Die persönliche Beratung und Information der Gäste, aber auch vieler einheimischen Besucher steht an der Info-Theke im Vordergrund.
Gastronomisch gesehen beginnt das Jahr der Remstal-Route mit dem traditionellen „Weintreff“. Heuer erlebte die Alte Kelter in Fellbach beim 10. Weintreff des Verkehrsvereins Remstal-Route im Februar einen wahren Pilgerstrom aus Nah und Fern: 2800 Weinfreunde verkosteten über 200 Sorten der 46 Winzer. „Zum Jubiläum ein Besucherrekord, das ist weit mehr als wir erwarten konnten“ schwärmt Heike Marx rückblickend. Dank der Kooperation mit der Regio Stuttgart Marketing und Tourismus GmbH beteiligten sich erstmalig auch Weinbaubetriebe aus Stuttgart an der Parade edler Sorten aus der Anbauregion Remstal-Stuttgart. Im April folgte wie immer die beliebte Aktion „Remstal-Teller“. Für das nächste Jahr hat Heike Marx gemeinsam mit dem Vorstand neue Ideen ausgearbeitet: Kulinarische Aktionswochen mit regionalen Produkten. Mehr möchte sie noch nicht verraten.
Wer so auf den Geschmack gekommen ist, kann sich schon auf den 17. September freuen, dem Start des „Schlemmer-Menüs“. Den gastronomischen Herbst genießt man im Remstal mit einem Vier-Gänge-Menü  - zubereitet von Remstäler Spitzenköchen – und wer mag, bestellt dazu eine kleine aber feine Probe ausgezeichneter Spitzenweine. 50 Tage lang – bis zum 5. November – zeigen 25 Restaurants phantasievolle Küchenkunst. Waldpilze und Wild, das Hohenloher Rind oder die Hohenloher Maispoularde sind ebenso fein wie bodenständig, ein Mostrahmsüpple mit Schwarzwurzelscheiben und Apfelschmelze sowieso.
Und da die Remstäler rührig und fleißig sind, steht das nächste große Projekt bereits im Veranstaltungskalender des Remstals. Es heißt „RemsTOTAL – Genuss am Fluss“ und wird am 6. Mai 2007 stattfinden. Es war die Idee des Vereins „Freunde des Remstals“, einen „Tag des Remstals“ zu etablieren. In den insgesamt 17 Anrainergemeinden entlang der Rems von der Quelle bei Essingen bis zur Mündung in den Neckar bei Remseck soll mit vielfältigen Aktionen die landschaftliche und kulturhistorische Bedeutung der Rems hervorgehoben werden. Weinbau, Gastronomie und Geschichte sollen für Besucher von außen erlebbar werden und eine emotionale Bindung zur Region schaffen. Weinstadts Oberbürgermeister Jürgen Oswald, dessen Mitarbeiter zusammen mit dem Landratsamt und dem Verkehrsverein den ersten „Tag des Remstals“ organisieren, wünscht sich, dass die Bewohner sich mit „ihrer“ Landschaft identifizieren. Auch Jochen Müller, Bürgermeister von Korb und Vorsitzender des Verkehrsvereins Remstal-Route e.V., sieht in so einem Aktionstag eine gut angelegte Investition, die sich langfristig auszahle, wenngleich es auch „ein gerüttelt Maß Arbeit“ bedeute, so der Remstal-Routen-Chef. Aber das ist für die „schaffigen Remstäler“ kein Problem. Das weiß auch Heike Marx, die in den drei Jahren ihrer Geschäftsführung bewiesen hat, dass sie beim Schaffen mit den Schwaben durchaus mithalten kann. Und an Ideen für neue Projekte fehlt es ihr auch nicht.  Was fehlt, ist Verstärkung. „Ich wünsche mir längere Öffnungszeiten in der Tourist-Information. Eine zweite Halbtagskraft“, sagt Marx, „die  könnten wir sehr gut gebrauchen.“

Verkehrsverein Remstal-Route e.V.
Im Alten Bahnhof Endersbach
Bahnhofstraße 21
71384 Weinstadt
Tel.: 07151/276 50 47
Fax: 07151/276 50 48
E-Mail: info@remstal-route.de
www.remstal-route.de

Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag: 9.00-12.30 Uhr
Donnerstag: 14.00-16.00 Uhr

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